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Perspektiven der Oberen Ruhrtalbahn

Verkehrsverband Westfalen und ZRL fordern zweigleisige Sanierung des Glösinger und Freienohler Tunnels

Am 17. Mai stellten der Verkehrsverband Westfalen e. V. und der Zweckverband Ruhr-Lippe (ZRL) im Bahnhof Arnsberg eine Untersuchung zu den Anforderungen an die Entwicklung der Infrastruktur auf der Oberen Ruhrtalbahn vor, die die beiden Institutionen bei dem renommierten Schweizer Gutachter SMA und Partner AG in Auftrag gegeben haben.

Hintergrund sind die Planungen der DB Netz AG, drei heute zweigleisige Tunnel entlang der Oberen Ruhrtalbahn nur noch eingleisig sanieren zu wollen. Dabei geht es um die erforderliche Sanierung des Glösinger, des Freienohler und des Elleringhauser Tunnels. Der Verkehrsverband hat auf Basis der Untersuchungsergebnisse einen konkreten Vorschlag für die Infrastrukturplanung entwickelt.


Mit der RE 17 (Hagen - Arnsberg - Kassel) und der RE 57 (Dortmund - Arnsberg - Winterberg/Brilon) wird das Sauerland im Osten an den ICE-Knoten Kassel-Wilhelmshöhe und im Westen an die für die Region wichtigen Oberzentren Dortmund und Hagen angebunden. SMA hat die Auswirkungen auf die Pünktlichkeit, Flexibilität und die Entwicklungsmöglichkeiten für zukünftige Angebote untersucht. Aus Sicht des Verkehrsverbandes Westfalen zeigen die bisherigen Fahrgastzuwächse auf der Oberen Ruhrtalbahn die unbedingte Notwendigkeit, die Entwicklungsmöglichkeiten für weitere Angebote im Personen wie auch im Güterverkehr zu erhalten. So war allein zwischen 1997 und 2010 ein Fahrgastzuwachs von bis zu 64% zu verzeichnen. Dazu kommen die Belastungsspitzen in der Wintersport- und Radsaison mit bis zu 2.500 Fahrgästen pro Wochenende. 

"Aufgrund der Vernetzungsfunktion des Hochsauerlandes mit dem Ballungsraum gehört die Obere Ruhrtalbahn zu den fünf wichtigsten Schienenprojekten in Westfalen", kommentiert Stefan Peltzer, Mitglied der Geschäftsführung des Verkehrsverbandes die Bedeutung der Strecke. "Daher ist sie auch Teil unserer Verbandsbroschüre Quo Vadis mit den wichtigsten Verkehrsprojekten für Westfalen. Wir haben die Strecke erst im letzten Monat auf der bundespolitischen Bühne in Berlin ausführlich diskutiert", so Peltzer weiter. 

Aus Sicht des ZRL werden bereits heute die Betriebs- und Entwicklungsmöglichkeiten der Oberen Ruhrtalbahn durch eine Vielzahl von infrastrukturellen Zwangspunkten geprägt. Michael Dubbi, Geschäftsführer des ZRL macht daher deutlich: "Weitere Zwangspunkt dürfen nicht hinzukommen!"

Das Gutachten belegt etliche bereits heute vorhandene Infrastrukturengpässe, z. B.:

1. Im Hauptbahnhof Dortmund existieren zu wenig Bahnsteige und auf dem eingleisigen Abschnitt Richtung Signal-Iduna-Park verkehren aktuell bereits 16 Züge je Stunde, sodass jede Verspätung sich auch auf den Gegenverkehr überträgt.

2. Im Raum Schwerte bildet ein 2,7 km langer eingleisiger Abschnitt ein Nadelöhr für Begegnungsverkehre.

3. Zwischen Olsberg und Brilon Wald erzeugt ein 14,7 km langer Abschnitt ohne Blockteilung sehr lange Zugfolgezeiten.

"Die Expertise zeigt eindeutig, dass sich DB-Netz mit einer nur eingleisigen Sanierung des Glösinger und des Freienohler Tunnels die Perspektiven für die nächsten Jahrzehnte verbaut", urteilt Dr. Ilona Lange, Hauptgeschäftsführerin der IHK Arnsberg, und warnt davor, nur die aktuelle Situation auf der Oberen Ruhrtalbahn in den Blick zu nehmen. Es sei nicht auszuschließen, dass das Zugangebot im Personenverkehr weiter verdichtet werde. Komme dann noch eine Ausweitung des Güterverkehrs hinzu, werde schnell die Kapazitätsgrenze erreicht. Lange stellte eine Resolution des IHK-Verkehrsausschusses vor, in dem dieser die DB, den Bund als Eigentümer und das Land NRW auffordert, eine zweigleisige Tunnelsanierung zu verfolgen. Statt eine zweite Röhre für den Elleringhauser Tunnel zu bauen, sollte jedoch besser der  Engpass an der ebenfalls eingleisigen "Schwerter Kurve" beseitigt werden.

Arnsbergs Bürgermeister Hans-Josef Vogel stellt für eine der Anrainer-Kommunen fest: "Das Gutachten beschreibt die Mindestanforderungen an Gleis-Technik und Betrieb der Oberen Ruhrtalbahn. Mit dem Gutachten liegt ein pragmatischer Vorschlag vor, der umgesetzt werden muss. Die Bedeutung der Oberen Ruhrtalbahn für Wirtschaft, Tourismus, Pendler und Bevölkerung wird in den kommenden Jahren weiter zunehmen. Auch aus Mobilitäts- und Umweltgründen dürfen wir uns nicht allein auf die Autobahn verlassen. Die Obere Ruhrtalbahn muss schneller werden, nicht zuletzt auch für die Mobilität der Region. Sie muss europäischen Anforderungen genügen. Das liegt im Interesse aller in unserer Region."

Auf Basis der nun vorliegenden Informationen schlägt der Verkehrsverband Westfalen e. V. ein zeitlich gestaffeltes Infrastrukturprogramm vor, dass nicht nur Investitionen in Gleise umfasst, sondern auch die Leit- und Sicherungstechnik, die Zugabstände sowie die Einfahrtgeschwindigkeiten in Bahnhöfe. Zur Finanzierung schlägt der Verkehrsverband vor, vorerst auf die zweigleisige Sanierung des Ellinghauser Tunnels in Höhe von 84 bis 98 Millionen Euro zu verzichten. Kein Weg vorbei führt allerdings an der zweigleisigen Sanierung des Glösinger und Freienohler Tunnels. Die dafür erforderlichen 25 Mio. Euro müssen zur Erhaltung der heutigen Infrastruktur von der DB investiert werden.

Der ZRL unterstützt diesen Vorschlag, vorerst nur den Glösinger und Freienohler Tunnel zweigleisig zu sanieren. Aus Sicht von Michael Dubbi gehe die Region damit einen großen Schritt auf die DB Netz zu. Die Einsparungen beim Elleringhauser Tunnel ermögliche finanzielle Spielräume, andere bestehende Zwangspunkte entlang der Strecke zu beseitigen. 



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– Pressesprecher –
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