Neuer Nahverkehrsplan Ruhr-Lippe - Erfolgsbilanz der letzten zehn Jahre
Als größte Erfolge der letzten Jahre gelten sicherlich die Einführung des Integralen Taktfahrplanes (ITF) in NRW sowie die konsequente Umsetzung der Wettbewerbsverfahren.
Beim ITF handelt es sich um ein intelligentes Konzept für gute Anschlüsse und einprägsame Takt-Abfahrzeiten im regionalen Bahnverkehr des Landes NRW. Im Zuge der Weiterentwicklung des ITF wurde das Leistungsangebot im Raum Ruhr-Lippe seit 1998 um 40 % ausgebaut. Das attraktive Angebot an direkten, umsteigefreien Verbindungen, optimierten Anschlussmöglichkeiten und längeren Betriebszeiten wurde auch von den Fahrgästen honoriert. Im gesamten Raum Ruhr-Lippe ist die Fahrgastnachfrage um durchschnittlich circa 55 % gestiegen. Die Verkehrsachsen von überregionaler Bedeutung, wie Dortmund – Hamm – Bielefeld oder Hamm – Paderborn, konnten sogar Nachfragesteigerungen von über 80 % verzeichnen.
Zusammen mit dem Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) hat der ZRL das erste Wettbewerbsverfahren in NRW angestoßen: Die Dortmund-Märkische Eisenbahn war der erste Betreiber, der ab Mai 1998 fünf Jahre lang neben der Deutschen Bahn AG im Streckennetz NRW unterwegs war (RB 52, Volmetal-Bahn, Dortmund – Hagen – Lüdenscheid). Zum heutigen Zeitpunkt sind circa 65 % der Leistungen im Raum Ruhr-Lippe im Wettbewerb vergeben. Auch neue Unternehmen wie die Prignitzer Eisenbahn (Arriva), Abellio Rail NRW und künftig auch Keolis haben sich dem Wettbewerb gestellt. Die Fahrgäste profitieren insbesondere von der verbesserten Betriebsqualität (Pünktlichkeit, Sauberkeit, Sicherheit) in den ausgeschriebenen Netzen sowie vom Einsatz neuer, moderner Fahrzeuge. Im Zusammenhang mit den Mittelkürzungen des Bundes ermöglichen zudem die durchgeführten Ausschreibungen bedeutende Kostensenkungen bei den Betriebskosten und somit eine Abfederung der notwendigen Angebotsanpassungen im Gebiet des ZRL.
Erfreulich waren auch die Entwicklungen im Bereich Tarif. Seit Mai 2000 brauchen die Fahrgäste in der Region nur noch eine Fahrkarte fürs Bus- und Bahnfahren, und das nicht nur im Raum Ruhr-Lippe, sondern auch im östlichen Ruhrgebiet mit den Oberzentren Dortmund und Hagen. Der neue Ruhr-Lippe-Tarif bietet damit für 1,65 Millionen Einwohner im Stammgebiet des ZRL sowie für mehr als 1 Million Einwohner des östlichen Ruhrgebietes
nachfragegerechte Preise für die Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs.
Langsame aber stetige Erfolge sind an den Stationen in der Region Ruhr-Lippe sichtbar. Durch Förderprogramme des Landes und zahlreiche Einzelmaßnahmen des ZRL wurden mehrere Bahnhofsanlagen und -gebäude vorbildlich modernisiert. Besonders hervorzuheben ist in diesem Zusammenhang auch das hohe Engagement und die finanzielle Beteiligung einiger Kommunen, die mit ihren Aktivitäten für die Attraktivität ihrer Stationen und des Umfeldes und somit auch für die Attraktivität des öffentlichen Nahverkehrs insgesamt sorgen. Als aktuelle Beispiele sind hier die Bahnhöfe Iserlohn, Plettenberg und Soest zu nennen.
Erfreulich ist auch, dass der gesamte Oberbau der Oberen Ruhrtalbahn in den letzten Jahren Schritt für Schritt wieder instandgesetzt wurde. Die erforderlichen Tunnel- und Brückensanierungen werden in den nächsten fünf Jahren angegangen.
Insgesamt kann der neue Nahverkehrsplan Ruhr-Lippe also eine sehr positive Bilanz bei der Entwicklung des regionalen Schienennahverkehrs ziehen. Für die künftigen Perspektiven ist von Bedeutung, welche Rolle der ZRL im neu gegründeten Dachzweckverband Nahverkehr Westfalen-Lippe (NWL) einnimmt. Denn die Entwicklung des Schienenpersonennahverkehrs (SPNV) in Westfalen ist in erster Linie davon abhängig, dass ein landesweites Regionalnetz mit Direktverbindungen in das Ruhrgebiet und zur Rheinschiene als Rückgrat der regionalen Verkehre störungsfrei und hochwertig funktioniert. Der ZRL stellt dies als Bindeglied zwischen dem Rhein-Ruhr-Raum und den peripheren Oberzentren Münster, Bielefeld, Paderborn und Siegen auch in Zukunft sicher.


