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Jahrespressekonferenz des ZRL

Jahrespressekonferenz des ZRL am 05. Februar 2003

Der Schienenpersonennahverkehr in Nordrhein-Westfalen hat mit dem Fahrplanwechsel zum 14. Dezember 2002 die bislang größte Erweiterung im Rahmen der Planungen der zweiten Stufe des Integralen Taktfahrplans für das Zugangebot erfahren, so Verbandsvorsteher Winfried Stork im Rahmen der Jahrespressekonferenz des ZRL am 05. Februar 2003 in Unna. Insgesamt werden jetzt fast 99 Millionen Zugkilometer gegenüber 87 Millionen Zugkilometern des Fahrplanjahrs 2001 gefahren. Nordrhein-Westfalen ist damit das Bahnland Nummer eins in Deutschland.

Für den ZRL hat der ITF zahlreiche Neuerungen und Verbesserungen im Leistungsangebot gebracht. Das Leistungsangebot konnte vom Ausgangsjahr 1996 mit 7,3 Millionen Zugkilometern (Zkm) zum Fahrplanjahr 2003 auf 10,5 Millionen Zkm um 40 % gesteigert werden. Damit wird auf fast allen Hauptstrecken ein Halbstundenverkehr an allen Verkehrstagen angeboten. Wie der Geschäftsführer des ZRL, Burkhard Bastisch, näher erläuterte, profitieren zum 15. Dezember 2003 hiervon insbesondere die Strecken

  • Dortmund – Hamm – Bielefeld
  • Münster – Hamm – Soest – Paderborn
  • Hagen – Unna – Hamm
  • Hagen/Dortmund – Fröndenberg – Bestwig – Winterberg und
  • Hagen – Letmathe – Finnentrop – Siegen.

Nicht zufrieden ist der ZRL derzeit allerdings mit der angebotenen Fahrplanqualität: Zu häufige Verspätungen verbunden mit Anschlussverlusten trüben die Bahnfreuden doch erheblich. Auch wenn die unmittelbar nach dem Fahrplanwechsel entstandenen Unregelmäßigkeiten etwas zurückgegangen sind, werden auf allen Ebenen intensive Gespräche mit der Deutschen Bahn AG (DB AG) geführt.

 

Fahrgastnachfrage

Honoriert wird das Leistungsangebot auch durch die ständig wachsenden Fahrgastzahlen im ZRL. Eine Vergleichszählung der Jahre 1997 und 2001, die Mitte 2002 veröffentlicht wurde, hat einen Fahrgastzuwachs von durchschnittlich 22 % im Raum Ruhr-Lippe nachgewiesen. Die höchsten Zuwächse von über 35 % konnten auf den Strecken Dortmund – Hamm, Hagen – Hamm, Hamm – Münster und Dortmund – Münster verzeichnet werden. Der ZRL sieht sich damit in seinen planerischen Zielvorgaben für die Entwicklung des Fahrplans mehr als bestätigt.

 

Wettbewerbsverfahren im Raum Ruhr-Lippe

Erfolgreich und ohne Beanstandungen konnten die beiden Ausschreibungsverfahren für das Sauerland-Netz und für die Westmünsterland-Bahn abgewickelt werden. Unter Berücksichtigung der Preise, aber insbesondere auch der Qualitäten, hatten sich Ende 2001 zehn beziehungsweise elf Eisenbahnverkehrsunternehmen an den Ausschreibungsverfahren für das Sauerland-Netz und für die Westmünsterland-Bahn beteiligt. Wie der stellvertretende Geschäftsführer Michael Dubbi informierte, hat die DB AG für das Sauerland-Netz den Zuschlag für einen Zwölfjahresvertrag mit einem Auftragswert von etwa 350 Millionen Euro erhalten. Zum Fahrplanwechsel Dezember 2004 werden dann 21 fabrikneue komfortable Dieseltriebwagen der Baureihe Coradia-LINT VT 648 mit 130 Sitzplätzen und Videoüberwachung, Audiosystem sowie Catering auf dem RE 57, Dortmund-Sauerland-Express, eingesetzt. Auf der Westmünsterland-Bahn wird die Prignitzer Eisenbahn als neuer Betreiber für sieben Jahre mit elf neuen Fahrzeugen an den Start gehen. Letztlich sollen die Fahrgäste vom Wettbewerb im Schienenpersonennahverkehr (SPNV) durch bessere Qualitäten profitieren. Durch die Ausschreibungsergebnisse sieht sich der ZRL in seiner Strategie bestätigt, dass der Wettbewerbsaspekt auch im Rahmen eines DB AG-Folgevertrages ab Ende 2003 (siehe hierzu auch weiter unten) adäquat verankert werden muss.

 

Infrastruktur und Trassenpreise

Heftig diskutiert und von den Aufgabenträgern kritisiert wurde im Jahr 2002 die Einführung sogenannter "Regionalfaktoren" für die Benutzung der Streckeninfrastruktur. So werden ab dem 1. Januar 2003 höhere Trassenbenutzungsgebühren zum Beispiel im Bergisch-Märkischen-Netz, zu dem unter anderem die Strecken Schwerte – Warburg, Schwerte – Iserlohn, Hagen – Lüdenscheid, Unna – Neuenrade und Iserlohn – Letmathe gehören, erhoben, die die Kosten um 40 % erhöhen. Mussten bisher für jeden gefahrenen Zugkilometer circa 3,50 Euro entrichtet werden, sind dies nun ca. 4,90 Euro. Allein im ZRL-Raum entstehen dadurch höhere Aufwendungen von circa fünf Millionen Euro pro Jahr. Auch wenn diese Mehrkosten im Rahmen der Revision des Regionalisierungsgesetzes und der Mittelzuweisung an die Zweckverbände berücksichtigt wurden, muss die wirtschaftliche Begründung der DB AG sehr kritisch hinterfragt werden, so Verbandsvorsteher Winfried Stork. Durch die umfangreichen Mehrleistung unter anderem durch die zweite Stufe des Integralen Taktfahrplans (ITF) ab 15. Dezember 2002 werden ohnehin erhebliche Mehreinnahmen bei der DB AG realisiert werden. Daher wird der ZRL im Zusammenwirken mit den SPNV-Aufgabenträgern bundesweit das Thema intensiv weiterverfolgen.

Insgesamt werden die Spielräume für investive Maßnahmen in Nordrhein-Westfalen (NRW) deutlich enger. Beim dringend erforderlichen Ausbau der Strecke Dortmund – Kamen – Hamm hat der ZRL zahlreiche Initiativen unternommen, um die Aufnahme der Strecke in den Bundesverkehrswegeplan zu erreichen, der 2003 verabschiedet werden soll. Beim Ausbau der Oberen Ruhrtalbahn sind die ingenieurmäßigen Vorentwurfsplanungen auf den Weg gebracht. Mitte 2003 sollen die Ergebnisse bei der DB AG vorliegen. Bei der Reaktivierung der Strecke Brügge – Gummersbach soll der erste Bauabschnitt zwischen Gummersbach und Marienheide am 18. April 2003 in Betrieb genommen werden. Die Aufnahme des Verkehrs zwischen Marienheide und Gummersbach ist derzeit für 2004 vorgesehen, dies setzt allerdings, so der stellvertretende Geschäftsführer Michael Dubbi, eine verbindliche Zusage über die Bereitstellung von Regionalisierungsmittel für den Fahrbetrieb im SPNV-Finanzierungsplan seitens des Landes voraus.

 

Zusammenarbeit der Zweckverbände, Agentur Nahverkehr NRW

Wichtige Entscheidungen in der Zusammenarbeit der Zweckverbände in NRW führten im Mai 2002 zur Gründung der Agentur Nahverkehr NRW e. V. In der Gründungsversammlung haben sich bisher acht Zweckverbände außer dem Verkehrsverbund Rhein-Ruhr zu einem Verein zusammengeschlossen. In einer ersten Mitgliederversammlung wurde der Verbandsvorsteher des ZRL, Herr Stork, zum Vorsitzenden des Präsidiums der Mitgliederversammlung gewählt. Herr Bastisch ist im Vorstand der Agentur Nahverkehr vertreten. Die Geschäftsstelle der Agentur Nahverkehr wird in Unna mit Unterstützung der Geschäftsstelle des ZRL aufgebaut.

Die Mitgliedschaft des Landes NRW in der Agentur Nahverkehr wird von den Zweckverbänden ausdrücklich gewünscht, um gemeinsam die strategischen Weichenstellung für die Weiterentwicklung des SPNV in NRW im Sinne der Fahrgäste zu diskutieren.

Allerdings besteht von Seiten des Landes noch keine Gesprächsbereitschaft über den Beitritt, da sowohl die Organisationsform des Vereins als auch die Rahmenbedingungen der Vereinssatzung und die Ausgestaltung der Koordinierungsaufgaben in Frage gestellt werden. Der ZRL, so Geschäftsführer Burkhard Bastisch, bedauert diese bislang grundlegende ablehnende Haltung, da eine konstruktive Zusammenarbeit unter diesen Rahmenbedingungen für alle Beteiligten nur schwerlich erreicht wird. Daher wird eine zeitnahe Klärung dieser offenen Fragestellung für dringend notwendig gehalten.

 

ÖPNV-Gesetz NRW, Finanzierung der SPNV-Leistungen, DB AG-Folgevertrag

Das neue ÖPNV-Gesetz ist inzwischen verabschiedet. Nach intensiven Gesprächen wurde das Zkm-Volumen der zweiten Stufe des ITF mit 98,8 Millionen Zkm im ersten SPNV-Finanzierungsplan des Landes NRW verankert. Zur Absicherung der Leistungen der zweiten Stufe des ITF hat das Land mit der DB AG einen Rahmenvertrag geschlossen.

Im Rahmen dieses Vertrages sind von der Landesseite Vorgaben zum Abschluss von Folgeverträgen zwischen den Zweckverbänden und der DB AG für die nächsten zehn Jahre gemacht worden. Diese Vorgaben müssen hinsichtlich der wettbewerbsrechtlichen Rahmenbedingungen geprüft werden. Die Zweckverbände beabsichtigen, weitgehend alle Leistungen in Teilnetzen innerhalb der nächsten zehn Jahren in einem Stufenkonzept für den Wettbewerb vorzubereiten, so Verbandsvorsteher Winfried Stork. Denn von den bislang in Deutschland durchgeführten Wettbewerbsverfahren haben bei gesunkenen Kosten für den Steuerzahler letztlich immer die Fahrgäste profitiert.

Insofern stellt das Jahr 2003 erhebliche Anforderungen an die Zweckverbände und das Land NRW, gemeinsame Ziele und Handlungsstrategien zu entwickeln, um für die immer schwierigeren Fragestellungen der Anforderungen an die Finanzierung und Ausgestaltung des SPNV, verknüpft mit den wettbewerbsrechtlichen Aspekten, Lösungsansätze zu finden, die mehr Qualität und Zuverlässigkeit im Bahnverkehr zum Ergebnis hat.

Fahrplan- und Tarifauskunft

Ansprechpartner

Zweckverband Ruhr-Lippe

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