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ZRL kritisiert Verspätungen der DB AG

ZRL kritisiert Verspätungen der Deutschen Bahn AG

Im Rahmen der Jahrespressekonferenz fand der Zweckverband SPNV Ruhr-Lippe als Besteller der Nahverkehrszüge im Raum Ruhr-Lippe deutliche Worte: "Wir erwarten von der Deutschen Bahn AG vor allem für die betroffenen Fahrgäste endlich spürbare Konsequenzen aus der Verspätungsmisere", so Winfried Stork, Verbandvorsteher des ZRL gestern in Unna. "Nicht erst seit dem Fahrplanwechsel hat sich die Pünktlichkeit der Züge im ZRL verschlechtert", so Stork weiter.
Über das gesamte Jahr 2002 waren durchschnittlich 88,1 % aller Züge mit mehr als fünf Minuten Verspätung unterwegs. Damit liegt die Deutsche Bahn AG (DB AG) inzwischen 3,9 % unter dem vertraglich vereinbarten Soll. Momentan ist die Lage jedoch noch schlechter: So kamen im Januar am größten Bahnhof des ZRL in Hamm (Westf) zum Beispiel nur noch 82 % aller Züge pünktlich an. Auf der gesamten Strecke Bielefeld – Hamm und bei dem RE 7 Hagen – Hamm – Münster ist die Pünktlichkeit seit 15. Dezember 2002 sogar dramatisch eingebrochen.

Den neuen Fahrplan nimmt Stork bei der Ursachenanalyse jedoch ausdrücklich in Schutz: "Wenn alles pünktlich ist, stehen die Züge an einigen Bahnhöfen unterwegs sogar herum. Die Probleme sind von der DB AG hausgemacht und gehören abgestellt. Jeder zweite Zug hat deswegen Verspätung, weil die Fahrzeuge nicht in Ordnung sind".

 

Neue Triebfahrzeuge bereiten zusätzliche Probleme

Probleme bereitet allerdings nicht nur die Pünktlichkeit. Durch den Einsatz von neueren Zügen verkehren auf vielen Strecken nun Triebwagenzüge. "Während früher nur ein defekter Waggon abgehängt wurde, fährt dann heute entweder ein deutlich kleineres Fahrzeug oder aber nur ein statt zwei Triebwagen. Mit der Konsequenz, dass zur Hauptverkehrszeit die Fahrgäste zum Teil schon gar nicht mehr einsteigen konnten". Traten solche Probleme bisher weitgehend im Sauerland auf, ist nun aktuell sogar die Hellwegstrecke von dieser Entwicklung betroffen. Nur auf wenigen Strecken fahren zur Zeit die Züge mit der bestellten Sitzplatzanzahl.

 

Deutliche Zunahme der Zugausfälle in 2002 

Auch Zugausfälle waren 2002 deutlich zu hoch: Zwar fielen 2002 mit insgesamt circa 38.000 Zugkilometern (diese entsprechen 0,4 % des Gesamtangebotes) 7.000 Zugkilometer weniger aus als im Vorjahr. "Diese Menge ist aber immer noch viel zu groß", erläutert der Verbandsvorsteher. Entgegen anderen Meldungen der DB AG fallen dabei auch nur 30 % aus sogenannter höherer Gewalt wie zum Beispiel Witterung, Suizide, Unfälle aus. Ursache Nummer eins sind auch hier Fahrzeugschäden aller Art. "Was nützen uns neue Fahrzeuge, wenn sie nicht einsatzbereit sind", so Verbandsvorsteher Stork. Über das gesamte Jahr konnte nur an wenigen Tagen die erforderliche Zahl der neigetechnikfähigen Triebfahrzeuge der Baureihe VT 612 zur Verfügung gestellt werden. Von zwölf Fahrzeugen waren durchschnittlich nur sieben bis acht Fahrzeuge einsatzbereit, so dass erst Wochen nach dem Fahrplanwechsel die dringend benötigten Dreifachtraktionen am Wochenende eingesetzt werden konnten.

 

Forderung des ZRL nach besserer Fahrgastinformation und besserem Störungsmanagement 

"Der ZRL ist mit seiner Geduld am Ende. Wir werden der DB AG im ersten Schritt für die schlechte Pünktlichkeit im Jahr 2002 schon in Kürze über 230.000 Euro abziehen. Und wenn das so weiter geht, wird das auch noch deutlich mehr!", so Stork zu den Konsequenzen des Zweckverbandes. Trotzdem gehe es vom Grundsatz nicht um den Betrag allein: "Der Fahrgast muss die ewig versprochenen Verbesserungen endlich auch mal merken!" Als Sofortmaßnahmen fordert der ZRL daher eine schnellere Reparatur der defekten Züge, um Längen bessere Fahrgastinformationen an den Bahnhöfen und in den Zügen sowie ein deutlich besseres Störungsmanagement und die Freigabe der InterCityExpress- und InterCity-Züge (ICE beziehungsweise IC) für Nahverkehrskunden. Hier sind in der Logistikkette erhebliche Lücken. "Wenn wie im Kreis Soest sogar dann noch nicht einmal ein vom Land mitfinanzierter IC beziehungsweise ICE für Nahverkehrsfahrgäste freigeben wird, versteht das kein zahlender Fahrgast mehr, der frierend auf dem Bahnsteig steht. Die DB AG will als Gesamtkonzern auftreten, dann soll sie bitte auch als Konzern handeln. Da werden 200 Fahrgäste in eine zu kleine und dann noch deutlich verspätete RegionalBahn gepfercht und nebenan fährt der halbvolle IC sogar noch vor!" Der ZRL hat die Bahn aufgefordert, hier sehr kurzfristig Zusagen zur Freigabe von Fernzügen zu machen.

 

Forderung nach Ausbau der Infrastruktur 

Auf der anderen Seite reiche aber auch die Infrastruktur kaum noch aus und bedarf zum Teil dringend einem Ausbau. Hier habe der ZRL beim letzten Fahrplanwechsel schon zahlreiche Kompromisse eingehen müssen, um überhaupt einen fahrbaren Fahrplan zu erhalten. Betroffen davon sind zum Beispiel die Nordbögge, Heessen und Oeventrop. Dringende Kapazitätserweiterungen wie zwischen Dortmund und Hamm, aber auch kleinere Maßnahmen, werden seit Jahren zerredet.

Fahrplan- und Tarifauskunft

Ansprechpartner

Zweckverband Ruhr-Lippe

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